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In unserem Newsletter fassen wir die spannendsten Themen und Highlights aus unserem wöchentlichen Podcast sowie eine Liste der Transaktionen der Woche für unsere Community zusammen. Wenn du unsere Arbeit bei Burn Rate nützlich findest, teile den Newsletter gerne in deinem Netzwerk.

News der Woche

Diese Woche diskutieren wir in Episode 91 über die folgenden News aus dem Startup und VC-Ökosystem:

AI-Boom trifft auf Compute-Grenzen - Der rasante Anstieg von AI-Anwendungen führt zu einem unerwarteten Engpass: Rechenleistung wird zur knappsten Ressource im Markt. Die Nachfrage nach GPUs und sogenannten „Tokens“ wächst schneller als neue Infrastruktur aufgebaut werden kann. Die Folge sind steigende Preise, Produktverzöger-ungen und sogar Einschränkungen für Nutzer. Unternehmen wie OpenAI oder Anthropic müssen Kapazitäten priorisieren oder Features zurückstellen. Gleichzeitig sinkt die Zuverlässigkeit mancher Systeme spürbar. Der Engpass zeigt: Der AI-Boom ist nicht nur ein Software-, sondern vor allem ein Infrastrukturthema und könnte kurzfristig das Wachstum und die breite Adoption moderner AI-Tools bremsen. (WSJ)

Herbert Ventures startet CHF 30 Mio. Seed-Fonds - Das Zürcher VC-Unternehmen Herbert Ventures hat seinen ersten Fonds über CHF 30 Mio. offiziell lanciert. Der industrieagnostische Fonds fokussiert sich auf Pre-Seed- und Seed-Investments in Europa, mit rund 30 geplanten Beteiligungen, insbesondere im DACH-Raum. Ein zentrales Merkmal: Es sind keine Follow-on-Investments vorgesehen, um Entscheidungsdisziplin und Fokus zu erhöhen. Gegründet von Ben Simon und Luis Huber kombiniert Herbert operative Startup-Erfahrung mit institutionellem VC-Know-how. Die erste Beteiligung ist das deutsche AI-Startup DroidRun. (Startupticker)

Innosuisse zeichnet fünf Startups aus - Innosuisse hat im ersten Quartal 2026 fünf Startups mit dem begehrten Innosuisse Certificate ausgezeichnet, einem Label für Wachstumsreife und Investierbarkeit. Zu den prämierten Unternehmen zählen Hystrix Medical, Eleven Dynamics, Soobr und IRAYE, die Lösungen von MedTech-Plattformen über industrielle Qualitätskontrolle bis hin zu AI-basierter Reinigung und wissenschaftlicher Skincare entwickeln. Das Zertifikat bestätigt signifikante Fortschritte im Coaching-Programm und signalisiert Investoren Skalierungspotenzial. Die ausgezeichneten Startups zeigen starke Traktion – von internationalen Kunden über zweistellige Wachstumsraten bis hin zu operativer Profitabilität – und unterstreichen die Breite und Reife des Schweizer Deep-Tech-Ökosystems. (Startupticker)

Quote der Woche:

"Everyone’s talking about oil, but I think what the world is mainly short of is tokens."

Ben Pouladian, Tech Investor based in LA zum Thema KI-Infrastruktur Bottleneck

Schwerpunktthema - European Venture Report Q1 2026 von Pitchbook

In dieser Folge von Burn Rate analysieren wir einen zentralen, aber oft missverstandenen Trend im aktuellen Venture-Markt: die scheinbare Erholung und warum sie bei genauerem Hinsehen vor allem eine Konzentration an der Spitze ist.

Auf den ersten Blick zeigen die Zahlen nach oben. In Europa wurden im ersten Quartal 2026 rund 3.5 Milliarden Euro für VC-Fonds eingesammelt, mit steigenden Median-Fondsgrössen. Auch in den USA wirken die Investmentzahlen stark, teils sogar auf Rekordniveau. Doch dieses Bild ist trügerisch. Ein Grossteil des Kapitals fliesst in wenige, sehr grosse Deals, insbesondere im AI- und Infrastruktur-Bereich, während die Breite des Marktes weiterhin unter Druck steht.

Das Ergebnis ist ein klarer struktureller Shift: Venture Capital entwickelt sich zu einem Zweiklassensystem. Etablierte Fonds mit starkem Track Record sowie spezialisierte Manager in Bereichen wie Deep Tech, Climate oder Impact profitieren überproportional. Gleichzeitig haben es Emerging Manager und generalistische Fonds zunehmend schwer, Kapital zu raisen. Viele Fonds schliessen kleiner als ihre Vorgänger oder kommen gar nicht mehr zustande.

Auch auf Startup-Seite zeigt sich diese Selektivität deutlich. Kapital ist vorhanden, wird aber gezielt allokiert, vor allem in Unternehmen mit klarer Positionierung, technologischer Differenzierung und nachweisbarer Execution. Startups ausserhalb der aktuellen heissen Sektoren sehen sich hingegen mit längeren Fundraising-Zyklen, höherem Druck auf Unit Economics und stärkerer Verwässerung konfrontiert.

Die zentrale Erkenntnis: Klassische Kennzahlen wie Gesamtvolumen oder Durchschnittsgrössen verlieren an Aussagekraft. Entscheidend ist heute nicht mehr, wie viel Kapital im System ist, sondern wie es verteilt wird. Venture Capital kommt also nicht einfach zurück; es sortiert sich neu, selektiver, fokussierter und stärker entlang von Qualität und Spezialisierung.

Wenn ihr mehr Details zum Thema erfahren wollt, hört rein in die Episode.

(Pitchbook) ©Pitchbook

Hörerfrage der Woche - Unterschiedliche Bewertungen in einer Finanzierungsrunde

In der Episode 91 beantworten wir eine Hörerfrage von Kevin: “Lohnt es sich, bereits mit Investoren zu sprechen, wenn man noch keinen Umsatz hat?”

Die kurze Antwort: “Ja, aber” nur unter einer Bedingung. Umsatz ist nicht der entscheidende Faktor im Early Stage, sondern echte Marktnachfrage. Viele Gründer machen den Fehler, Umsatz als einzigen Beweis für Validierung zu sehen. Tatsächlich geht es Investoren viel mehr um die grundlegenden Fragen: Gibt es ein relevantes Problem, ist es dringend – und sind Kunden bereit, dafür zu zahlen?

Entscheidend ist dabei, auf welcher „Stufe“ sich ein Startup befindet. In der reinen Ideenphase ohne echten Kundenkontakt ist Fundraising praktisch unmöglich. Erste Gespräche und positives Feedback helfen, sind aber oft trügerisch, weil sie keine echte Zahlungsbereitschaft widerspiegeln. Wirklich interessant wird es erst mit konkreten Signalen: MVPs, Pilotprojekte oder erste Nutzer zeigen, dass das Problem real ist – auch ohne Umsatz.

Der eigentliche Gamechanger ist jedoch echte Nachfrage. Wenn Gründer den Markt so gut verstehen, dass potenzielle Kunden konkretes Interesse zeigen, Budgets diskutieren oder sogar Absichtserklärungen (LOIs) abgeben, verändert sich die Dynamik komplett. Dann sprechen Investoren nicht mehr mit einer Idee, sondern mit einem validierten Problem.

Die zentrale Erkenntnis: Fundraising ohne Umsatz ist möglich – Fundraising ohne echte Nachfrage nicht. Entscheidend ist daher nicht der perfekte Pitch, sondern der nächste Schritt in der Validierung. Die bessere Frage lautet also nicht „Soll ich schon raisen?“, sondern: „Was fehlt mir noch, um echte Nachfrage zu beweisen?“

Mehr zum Thema und unsere Einschätzungen findet ihr im Podcast.

Transaktionen der Woche

Deals im Fokus in der aktuellen Burn Rate Episode

  • Terra Quantum – Das Schweizer Quantum-Computing-Unternehmen plant den Börsengang über einen SPAC-Deal mit Mountain Lake Acquisition Corp. II bei einer Bewertung von USD 3.25 Mrd. Terra Quantum entwickelt Quantum-as-a-Service-Lösungen in den Bereichen Algorithmen, Computing und Security, um reale Anwendungsfälle in Industrie, Finanzen und Logistik zu adressieren. (Startupticker)

  • Centiel – Das Luganeser Energy-Tech-Unternehmen hat vor dem geplanten Börsengang CHF 30 Mio. eingesammelt. Der IPO erfolgt via Reverse Merger mit HT5 an der SIX Swiss Exchange, bei einer angestrebten Bewertung von rund CHF 166 Mio. Centiel entwickelt unterbrechungsfreie Stromversorgungssysteme (UPS) für kritische Infrastrukturen wie Rechenzentren und profitiert vom Wachstum durch AI und Digitalisierung. (Startupticker)

  • Insurteam – Das Lausanner InsurTech-Startup hat eine USD 1.3 Mio. Finanzierungsrunde abgeschlossen, angeführt von Spicehaus Partners mit Beteiligung von Next Patron und bestehenden Investoren. Insurteam entwickelt eine AI-basierte Plattform zur Automatisierung von Vertrieb und Schadenabwicklung im Reiseversicherungsbereich, wodurch Bearbeitungszeiten drastisch reduziert werden. (Startupticker)

Letzte Woche haben Schweizer Startups und Scale-ups mehr als CHF 94 Mio. via Equity Finanzierungsrunden, Loans, Grants und Awards aufgenommen:

  • Onward Medical - EUR 40.6 Mio. Private Placement von EQT Life Sciences.

  • Centiel - CHF 30 Mio. Pre-IPO-Finanzierung im Rahmen des Börsengangs.

  • Acutronic - USD 25 Mio. Growth-Runde von InterAlpen Partners und Hale Capital Partners.

  • AlpineAI - Seed-Runde im zweistelligen Millionenbereich von Swiss KMU Partners.

  • Ka-EX – CHF 4.8 Mio. Crowdfinanzierung über Conda.ch. Ka-EX entwickelt Lösungen an der Schnittstelle von Blockchain und Finanzinfrastruktur.

  • Conda.ch - CHF 0.6 Mio. Finanzierungsrunde inkl. Grant via Crowdinvesting.

  • Baabuk – CHF 0.5 Mio. Crowdfinanzierung über Conda.ch. Baabuk ist ein Schweizer Footwear-Brand mit Fokus auf nachhaltige Schuhe aus Naturmaterialien wie Wolle.

  • Minima – CHF 0.5 Mio. Crowdfinanzierung über Republic. Minima entwickelt minimalistische Produkte mit Fokus auf Design und Funktionalität.

  • LightSeeds - CHF 0.15 Mio. Grant von Venture Kick.

  • MPowers – EUR 0.07 Mio. Crowdfinanzierung über Crowdcube. MPowers fokussiert sich auf digitale Lösungen im Bereich Community- und Plattformökonomie.

  • Yuvoi - Pre-Seed-Investment von Roman Josi und weiteren Investoren (Betrag nicht offengelegt).

Exits

Vielen Dank fürs Lesen!

Wenn du mehr zu den Themen erfahren willst, kannst du direkt in unsere Burn Rate Folge 91 vom 18. April 2026 auf Spotify oder Apple Podcasts reinhören. 

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Danke für deine Zeit und Aufmerksamkeit - bis zur nächsten Folge!

Dein Burn Rate Team

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