Hallo und herzlich willkommen zur neuesten Ausgabe des Burn Rate Newsletters!

In unserem Newsletter fassen wir die spannendsten Themen und Highlights aus unserem wöchentlichen Podcast sowie eine Liste der Transaktionen der Woche für unsere Community zusammen. Wenn du unsere Arbeit bei Burn Rate nützlich findest, teile den Newsletter gerne in deinem Netzwerk.

News der Woche

Diese Woche diskutieren wir in Episode 95 über die folgenden News aus dem Startup und VC-Ökosystem:

ZKB Pionierpreis Technopark 2026: RTDT Laboratories gewinnt – Im Technopark Zürich fand die Preisverleihung des ZKB Pionierpreises 2026 vor rund 350 Gästen statt. Fünf Startups standen im Finale – gewonnen hat RTDT Laboratories mit Aerosense, einem flexiblen Sensor-Patch für Rotorblätter von Windturbinen. Die Technologie misst Druck, Vibrationen und Belastungen und speist die Daten in einen digitalen Zwilling, um Windturbinen effizienter zu machen und Wartungskosten zu senken. Der Hauptpreis ist mit 100'000 Franken dotiert. Als Runner-up wurden GlycoEra (Autoimmun-Biotech) und roboa (Robotik für Inspektionen in schwer zugänglichen Umgebungen) ausgezeichnet. Der Publikumspreis über 5'000 Franken ging an CCRAFT, das Hochleistungs-Chips auf Basis von Thin-Film Lithium Niobate für schnelle optische Datenübertragung entwickelt. Die Finalisten zeigen ein breites Bild davon, woran in der Schweiz gerade gearbeitet wird, von sauberer Energie über neue Medikamente bis zu AI-Infrastruktur und Robotik. (Startupticker)

Farmy meldet Konkurs an – Der Zürcher Online-Hofladen Farmy hat den Betrieb per sofort eingestellt und leitet das Konkursverfahren ein. Farmy war seit 2014 eines der bekanntesten Schweizer Food-Startups, beschäftigte zu Spitzenzeiten über 200 Mitarbeitende und profitierte während Corona von massiv gestiegener Online-Nachfrage. Nach der Pandemie ging das Volumen jedoch stark zurück und erholte sich nie. Eine Restrukturierung 2024, die Schliessung des Standorts Ecublens und die Fusion mit Pico Lebensmittel konnten den Umsatzeinbruch nicht aufhalten. Mehr als 100 Mitarbeitende verlieren ihren Job. Die zentrale Lehre: Temporäres Wachstum darf nicht als struktureller Wandel interpretiert werden. Bei Food-E-Commerce sind die Margen brutal schwierig – und wenn das Volumen sinkt, bricht das Modell unter den Fixkosten zusammen. (Blick)

AcceleratorX: Neues EU-Programm für KI-Startups – Mit AcceleratorX startet ein neues dreimonatiges Programm für KI-Startups in der Seed-Phase, das sich fundamental von klassischen Acceleratoren unterscheidet: Statt Coaching und Pitchtraining steht ab der ersten Woche der direkte Kontakt mit potenziellen Pilotkunden im Zentrum. Das Programm nutzt ein Netzwerk von 34 Marketing- und Kommunikationsagenturen in 30 europäischen Ländern mit über 2'000 Fachleuten. In der Schweiz ist die St. Galler Agentur Die Botschafter als Swiss Hub dabei. Mitinitiiert wurde AcceleratorX von Axel Thoma, Dozent an der Universität St. Gallen. Sein Punkt: Die grösste Hürde für KI-Startups sei oft nicht die Technologie und nicht das Kapital, sondern der Marktzugang. Bewerbungsschluss ist der 30. Juni 2026, Start im September mit 10 bis 12 Startups. (Startupticker)

Quote der Woche:

"There’s a unique intensita and density of excellence [in Germany], which is why we’ve invested in the supercomputers and research labs here"

Howard Wright, global VP of startups at Nvidia

Schwerpunktthema - Burn Rate Market Snapshot April 2026

In dieser Folge von Burn Rate analysieren wir den Schweizer und europäischen Venture-Markt im April 2026.

In der Schweiz wurden rund 222 Millionen CHF in 28 Finanzierungsrunden investiert, dazu kamen rund 11 Millionen CHF an Grants und Loans sowie einige Transaktionen ohne veröffentlichte Beträge. Vom Volumen her liegt der April unter dem starken März, in dem vor allem die Kandou-Runde das Gesamtvolumen auf 333 Millionen CHF hochgezogen hatte. Aber die Breite ist deutlich stärker: Der April war nicht der Monat einer dominanten Mega-Runde, sondern ein Monat mit sehr breiter Aktivität über verschiedene Sektoren hinweg.

Bei den grossen Finanzierungen stach BLP Digital mit einer 50-Millionen-USD-Secondary von Goldman Sachs heraus – ein starkes Signal für ein profitabel wachsendes Zürcher AI-Scale-up. Weitere grosse Transaktionen waren ONWARD Medical mit 40.6 Millionen Euro, Centiel mit 30 Millionen CHF vor dem Börsengang sowie Runden zwischen 10 und 25 Millionen von Acutronic, Planetary, Daphne Technology, Bug Bounty Switzerland und AlpineAI.

Bei den Exits wurde Polariton von Marvell Technology übernommen – ein klarer AI-Infrastructure-Exit. Und die Assets von 9T Labs wurden von Biwi übernommen – kein klassischer Erfolgsexit, aber ein gutes Beispiel dafür, wie Deeptech-IP industriell weiterleben kann. Dazu kommen zwei grosse Sonderthemen: Terra Quantum plant den Nasdaq-Gang bei 3.25 Milliarden USD Bewertung, und vVARDIS hat Unicorn-Status erreicht.

In Europa wurden laut Tech.eu im April 290 Finanzierungsrunden mit einem Volumen von 5.1 Milliarden Euro verzeichnet – fast gleich viele Runden wie im März, aber 32 Prozent weniger Kapital. Cleantech führte mit 1.3 Milliarden Euro vor AI. Der grösste Deal war Stegra aus Schweden mit 1.4 Milliarden Euro für grünen Stahl.

Fazit: Der April war kein Hype-Monat, aber Kapital ist vorhanden und wird selektiv in Firmen mit klarer strategischer Relevanz investiert.

Wenn ihr mehr Details zum Marktgeschehen im April erfahren wollt, hört rein in die Episode.

Hörerfrage der Woche - Wie wird man ein guter VC?

In Episode 95 beantworten wir eine Hörerfrage von Leander: “Habt ihr ein strukturiertes Framework für die Bewertung von Gründerteams – oder entscheidet am Ende doch das Gefühl im Pitch?”

Unsere Einschätzung: Bauchgefühl ist ein Asset, solange man es nicht mit Wahrheit verwechselt. Erfahrung ist nicht wertlos – wer viele Gründerinnen und Gründer gesehen hat, entwickelt ein Gespür. Aber dieses Gefühl kann auch schnell kippen: Dann hält man Charisma für Leadership, Selbstbewusstsein für Kompetenz oder Ähnlichkeit mit erfolgreichen Gründern für echtes Potenzial.

Gerade bei Gründerteams ist die Datenbasis dünn. Ein Pitch, ein paar Gespräche, vielleicht ein Dinner – und daraus soll man ableiten, ob diese Menschen fünf bis zehn Jahre lang extreme Unsicherheit gemeinsam aushalten. Deshalb: Teamqualität genauso ernst nehmen wie Markt und Produkt. Systematisch fragen: Wie treffen die Gründer Entscheidungen? Wie gehen sie mit Widerspruch um? Gibt es klare Rollen? Wie reagieren sie, wenn man ihre Annahmen angreift?

Ein praktischer Ansatz: Nach jedem Gründermeeting vier Dinge bewerten – Rollenklarheit, Konfliktfähigkeit, Lernfähigkeit und Belastbarkeit unter Druck. Nicht erst im Partnermeeting gemeinsam diskutieren, sondern vorher einzeln notieren. Das nimmt dem Bauchgefühl nicht den Platz, aber es zwingt es in einen Reality Check.

Mehr zum Thema und unsere Einschätzungen findet ihr im Podcast.

Transaktion des Monats – Covalo

Covalo, ein Zürcher Startup an der Schnittstelle von Ingredient Data Infrastructure, B2B-Marketplace und AI-gestützter Produktentwicklung für die Personal-Care-Industrie, hat im April 2026 eine Seed-Erweiterungsrunde über EUR 3.5 Millionen abgeschlossen. Die Runde wurde von Hi inov angeführt, mit Beteiligung der bestehenden Investoren HTGF und seed+speed Ventures.

Covalo wurde 2021 als Spin-off aus Clariant gegründet – die Ursprungsplattform Chemberry wurde mehrere Jahre als internes Innovationsprojekt betrieben und hatte bereits fast 40'000 Inhaltsstoffe indexiert. Die Co-CEOs Timo von Bargen und Yann Chilvers führen die Firma bis heute gemeinsam.

Das Problem, das Covalo adressiert, ist strukturell: Die Personal-Care-Industrie ist ein Markt mit über 500 Milliarden Dollar Umsatz, aber Inhaltsstoffdaten sind massiv fragmentiert. Teams verbringen viel Zeit damit, Daten manuell zusammenzusuchen – per E-Mail, per PDF, per Excel. Covalo will das gemeinsame Daten-Rückgrat der Industrie werden: nicht nur ein Marktplatz, sondern ein System of Record für Inhaltsstoffdaten.

Die Plattform verbindet heute über 1'500 Lieferanten mit mehr als 6'000 Marken in über 145 Ländern. Die Kundenliste enthält Namen wie Givaudan, Symrise, PUIG und La Prairie. Die Net Revenue Retention liegt bei über 145 Prozent, das Plattform-Engagement ist 2025 um 84 Prozent gestiegen. Covalo plant nun auch KI-Agenten für regulatorische Compliance, automatisierte RFI/RFP-Workflows und Datenextraktion aufzubauen.

Mehr über Covalo, die Finanzierungshistorie und die Einordnung durch HTGF-Principal Martin Möllmann erfahrt ihr im Podcast

Transaktionen der Woche

Letzte Woche haben Schweizer Startups und Scale-ups mehr als CHF 3 Mio. via Equity Finanzierungsrunden (inkl. Secondaries), Loans, Grants und Awards aufgenommen:

  • Capzlog.aero - CHF 1.2 Mio. Public Funding über Oomnium.

  • Minima - GBP 0.78 Mio. Crowdfunding über Republic Europe.

  • Baabuk - CHF 0.5 Mio. Crowdfunding über Conda.ch.

  • AMP IT - Finanzierungsrunde von Swiss Technology Fund (Betrag nicht offengelegt).

  • RTDT Laboratories - CHF 0.1 Mio. ZKB Pionierpreis Technopark (Hauptpreis).

  • GlycoEra - CHF 0.01 Mio. ZKB Pionierpreis Technopark (Runner-up).

  • roboa - CHF 0.01 Mio. ZKB Pionierpreis Technopark (Runner-up).

  • CCRAFT - CHF 0.005 Mio. ZKB Pionierpreis Technopark (Publikumspreis).

  • Complemedia - Investment von Arnia Partners

Vielen Dank fürs Lesen!

Wenn du mehr zu den Themen erfahren willst, kannst du direkt in unsere Burn Rate Folge 95 vom 16. Mai 2026 auf Spotify oder Apple Podcasts reinhören. 

Bleib dran für die nächste Ausgabe des Burn Rate - Der Venture Insider Podcasts und bei unserem Newsletter. Wenn du die Inhalte unseres Newsletter nützlich fandest, leite diesen per Mail an dein Netzwerk weiter. Teile uns gerne mit, welche Themen dich besonders interessieren und schreibe uns an [email protected]

Danke für deine Zeit und Aufmerksamkeit - bis zur nächsten Folge!

Dein Burn Rate Team

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