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News der Woche
Diese Woche diskutieren wir in Episode 96 über die folgenden News aus dem Startup und VC-Ökosystem:

SEF.Growth High Potential Label für fünf Schweizer Scale-ups – Das Swiss Economic Forum hat fünf Scale-ups mit dem SEF.Growth High Potential Label ausgezeichnet: Tiny Fish (Fast-Casual-Sushi mit zentraler Produktion), grape insurance (Mitarbeiter-Versicherungen mit HR-Software-Integration), greenteg (Körpertemperatur-Sensorik aus der ETH für Sport und Safety), Wallee (Payment-Infrastruktur über Online- und Offline-Kanäle) und BC Platforms (föderierte Infrastruktur für Gesundheitsdaten). Das Label stärkt Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit gegenüber Kunden, Lieferanten und Finanzierungspartnern. Die Auswahl zeigt, wie breit das Schweizer Scale-up-Ökosystem inzwischen aufgestellt ist – von Food über InsurTech und Sensorik bis zu Payment und HealthTech. (Startupticker)
Schweizer Crowdfunding-Markt erholt sich – Nach drei schwachen Jahren zeigt der Schweizer Crowdfunding-Markt erstmals wieder deutliches Wachstum. Laut dem Crowdfunding Monitor Schweiz 2026 der Hochschule Luzern stieg das Gesamtvolumen im Jahr 2025 um 14 Prozent auf 629 Millionen Franken. Der wichtigste Treiber ist das Crowdlending, das inzwischen rund 75 Prozent des Gesamtvolumens ausmacht. Besonders stark wuchs das Immobilien-Crowdlending mit einem Plus von 38 Prozent auf 275 Millionen Franken – getrieben durch strengere Eigenkapitalanforderungen für Banken. Auch Crowdsupporting und Crowddonating wuchsen erstmals seit 2020 wieder, um 30 Prozent auf 35 Millionen Franken. Der Markt bleibt zwar unter dem Rekordwert von 2021, zeigt aber klare Erholungstendenzen. (HSLU)
Mega-Seed-Runden: Milliarden im AI-Seed – Im AI-Sektor sorgen sogenannte Mega-Seed-Runden für Schlagzeilen. Laut PitchBook haben einzelne AI-Startups zuletzt Seed-Finanzierungen von einer Milliarde Dollar oder mehr aufgenommen – darunter Projekte von Yann LeCun, Fei-Fei Li und Ineffable Intelligence. Was nach Stärke klingt, sehen viele Early-Stage-Investoren als Warnsignal: Zu viel Kapital zu früh kann Disziplin, Fokus und echten Product-Market-Fit verdrängen. Der Median einer Seed-Runde in den USA liegt laut PitchBook bei rund 3 Millionen Dollar – Mega-Runden sind also extreme Ausreisser. Die Gefahr: Wenn sie als Erfolgsmodell wahrgenommen werden, entsteht FOMO. Nicht die Grösse der Finanzierungsrunde entscheidet über Erfolg, sondern Fokus, Disziplin und echte Traktion. (PitchBook)
©SEF.Growth
Quote der Woche:
"I said, ‘Shit, I should have asked for more"
Schwerpunktthema - Fast Follows: Das Problem mit direkt aufeinanderfolgenden Finanzierungsrunden

In dieser Folge von Burn Rate sprechen wir über ein Phänomen, das gerade sehr gut zur aktuellen KI- und Venture-Euphorie passt: Startups nehmen immer schneller immer grössere Finanzierungsrunden auf und zwar teilweise direkt nach der letzten Runde.
Früher war ein Rhythmus von 12 bis 18 Monaten zwischen zwei Runden normal. Dann wurden daraus 9 bis 12 Monate, später 6 bis 9 Monate. Und heute sehen wir Fälle, in denen Unternehmen nach wenigen Wochen schon wieder neues Kapital einsammeln wollen. Diese sogenannten Fast Follows werfen eine zentrale Frage auf: Ist das ein Zeichen enormer Nachfrage – oder eher ein Warnsignal für Überhitzung?
Die Gründe für schnelle Folgerunden können durchaus berechtigt sein: ein grosser Kundenvertrag, ein technischer Durchbruch, ein strategischer Partner oder ein Marktfenster, das man sofort nutzen muss. Oder ein Investor, der zu spät auf die Runde aufspringt und mit einem substanziellen Ticket nachzieht. Das ist ein Derisking durch mehr Runway, nicht unbedingt durch das Erreichen neuer Meilensteine.
Die Gefahr liegt in der Signalwirkung. Wenn ein Startup nach kurzer Zeit eine mehrfach höhere Bewertung bekommt, wird das sofort zum Vergleichspunkt für andere Gründer. Neue Preisanker entstehen, die weniger mit Fundamentaldaten zu tun haben als mit Knappheit, FOMO und Signalwirkung. In Boomphasen funktioniert diese Logik oft erstaunlich lange. Aber dauerhaft müssen Bewertungen durch echte Entwicklung gerechtfertigt werden.
Unsere drei Kriterien für eine gerechtfertigte Fast Follow: Erstens echte Veränderung seit der letzten Runde (Kunden, Umsatz, Technologie). Zweitens klare Kapitalverwendung für konkrete strategische Ziele. Drittens Qualität der Nachfrage – wer investiert zu welchen Bedingungen, und ist die kommunizierte Bewertung auch die ökonomische Realität?
Financial Engineering beginnt dort, wo die Runde primär dazu dient, eine höhere Bewertung zu produzieren, statt ein echtes operatives Problem zu lösen.
Wenn ihr mehr Details zum Thema erfahren wollt, hört rein in die Episode.
Hörerfrage der Woche - Haben LegalTech Startups noch eine Chance?

In Episode 96 beantworten wir eine Hörerfrage von Till: Wenn Modelle von Anthropic, OpenAI und anderen immer leistungsfähiger werden – haben spezialisierte Legal-Tech-Firmen dann überhaupt noch eine echte Chance?
Unsere Einschätzung: Auf der Modellebene haben Spezialanbieter kaum eine Chance, schneller oder billiger zu sein als die grossen LLM-Anbieter. Aber Legal Tech gewinnt nicht auf der Modellebene, sondern auf der Anwendungsebene. Kanzleien kaufen nicht einfach ein gutes Modell – sie kaufen Vertrauen, Haftungsreduktion, Integration in bestehende Abläufe, Auditierbarkeit, firmenspezifische Playbooks und jemanden, der versteht, wie eine M&A-Due-Diligence oder ein Litigation-Prozess wirklich funktioniert. Dazu kommen Anforderungen an Datensicherheit und On-Premise-Lösungen, weil Kanzleien nicht wollen, dass ihre Daten für das Modelltraining anderer Firmen verwendet werden.
Die entscheidende Frage ist: Wer kontrolliert den Workflow? Wenn Anthropic nur das Modell liefert, aber Legal-Tech-Anbieter die Oberfläche, die Datenräume, die Playbooks und die Freigabeprozesse kontrollieren, bleibt für Spezialanbieter viel Wert übrig. Aber generische Legal-AI-Wrapper gehören wahrscheinlich der Vergangenheit an. Die nächste Phase gehört den Firmen, die aus KI echte juristische Infrastruktur bauen.
Mehr zum Thema und unsere Einschätzungen findet ihr im Podcast.
Transaktionen der Woche

Deals im Fokus in der aktuellen Burn Rate Episode
Mosaic SoC – Das Zürcher Deep-Tech-Startup aus dem ETH-Umfeld hat eine Pre-Seed-Runde über USD 3.8 Mio. abgeschlossen, angeführt von Founderful mit Beteiligung von Kickfund. Mosaic SoC entwickelt Perception-Chips, die Geräten ermöglichen, ihre Umgebung in Echtzeit zu sehen und zu verstehen – bei sehr niedrigem Energieverbrauch. Im Fokus stehen Smart Glasses, Wearables und andere batteriegetriebene Consumer Devices. (Startupticker)
Moonlight AI – Das Health-AI-Startup hat eine Seed-Runde über USD 3.3 Mio. abgeschlossen, co-geführt von Lotus One Investment, VP Venture Partners und MEDIN Fund, mit Beteiligung von N&V Capital und QAI Ventures. Moonlight AI entwickelt Bildanalyse-Software für klinische Diagnostik, die aus routinemässigen Blut- und Zytologie-Ausstrichen Hinweise auf genomische Biomarker erkennt. Damit sollen Labore schneller verwertbare Insights gewinnen, ohne auf teure Next-Generation-Sequencing-Prozesse warten zu müssen. (Startupticker)
NIRLAB – Das Lausanner Spin-off der Universität Lausanne wurde von 908 Devices übernommen. Der Kaufpreis liegt bei bis zu USD 23 Mio.: USD 15 Mio. upfront plus bis zu USD 8 Mio. in Meilenstein-Zahlungen. NIRLAB entwickelt handheld Near-Infrared-Spektroskopie-Geräte, die in Sekunden Substanzen erkennen können – darunter über 400 Drogen. Die Technologie wurde bereits in mehr als einer Million Feldanalysen eingesetzt. (Startupticker)
curli – Der Herrliberger Hersteller von Premium-Hundegeschirren wurde von der schwedischen Thule Group übernommen. Der initiale Kaufpreis beträgt CHF 10.1 Mio., plus bis zu CHF 6.8 Mio. Earn-out. curli erzielte 2025 CHF 6.4 Mio. Umsatz bei 20 Prozent EBIT-Marge und verkauft über Händler in rund 60 Ländern.(Startupticker)
Letzte Woche haben Schweizer Startups und Scale-ups mehr als CHF 10 Mio. via Equity Finanzierungsrunden (inkl. Secondaries), Loans, Grants und Awards aufgenommen:
Neurosoft Bioelectronics - USD 7.5 Mio. Seed-Runde angeführt von Skybound Venture Capital, mit Beteiligung von Protocol Labs, IAG Capital Partners und Connecticut Innovations.
AVIAN - CHF 2 Mio. Pre-Seed-Runde von Founderful.
Cigno - CHF 1.5 Mio. Seed-Runde von Angel-Investoren
Aithon Robotics - bis zu CHF 0.2 Mio. Investment von HSC START Accelerator.
Surface Cleantech - bis zu CHF 0.2 Mio. Investment von HSC START Accelerator.
Exits
curli wurde von Thule Group übernommen (bis zu CHF 16.9 Mio.).
Vielen Dank fürs Lesen!
Wenn du mehr zu den Themen erfahren willst, kannst du direkt in unsere Burn Rate Folge 96 vom 23. Mai 2026 auf Spotify oder Apple Podcasts reinhören.
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